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  Die SPD besinnt sich auf ihre Wurzeln

Auf der Sommertour will die Kreis-SPD soziale Einrichtungen besuchen und so ihr Kernthema wieder beackern

Während die SPD bundesweit zwischen K-Frage, Umfragehoch und Minderwertigkeitskomplexen gegenüber den Grünen schwebt, will man an der Basis die gute, alte Sozialpolitik wieder entdecken. Dazu besucht die Kreistags-SPD soziale Einrichtungen, und will unter Anleitung von ASF-Chefin Sonja Elser ein Konzept erarbeiten.

rafael binkowski

Die SPD informiert sich bei der Caritas. Rechts Sonja Elser, Heidi Schroedter und Bernhard Richter, hinten Caritas-Leiter Harald Faber. (Foto: Peter Hageneder)

Aalen. Ortstermin im C-Punkt der Caritas in der Weidenfelder Straße. Die Führung der Caritas Ostwürttemberg trifft sich mit führenden Sozialpolitikern der SPD. „Wir wollen den Dialog suchen", sagt Sonja Elser, die Vorsitzende der SPD-Frauengemeinschaft ASF im Kreis ist und derzeit an der Hochschule Esslingen studiert.
Dabei will sie eine wissenschaftliche Studie anstoßen, die dann zu einem Sozialplan für den Ostalbkreis werden soll. „In der Vergangenheit ist die Kreis-SPD nicht durch besonders viele sozialpolitische Anträge aufgefallen", meint Elser, die Tochter der langjährigen Lorcher Abgeordneten Marga Elser. Mit Ausnahme des Armutsberichtes, den der Kreis auf Initiative der SPD erstellt habe.
Die Genossen lassen sich erklären, wie der C-Punkt als Treff für sozial Schwache und Ehrenamtliche organisiert ist. „Wir haben im Jahr 8400 Besucher", erklärt Markus Mengemann, Leiter der Caritas Familienhilfe. Der neue Ansatz seiner Organisation sei das Konzept des „Sozialraumes". Anstatt hauptamtliche Sozialarbeiter zentral loszuschicken, sollen vor Ort Begegnungsorte entstehen, um freiwilliges Engagement zu fördern, so das Konzept der Caritas. So würden hier etwa Computerkurse oder Angebote für Migranten gemacht, meistens mit Hilfe von Ehrenamtlichen.
Dies bringe tolle Ergebnisse. In Heidenheim und Oberkochen habe man ähnliche Treffpunkte angelegt. So hätten sich etwa unter russischen Einwanderern viele Talente gefunden: „Eine Frau ist Basketball-Nationalspielerin, die andere Klavierlehrerin." Optimal sei das, wenn aus den Besuchern, aus der „Klientel", selbst Freiwillige würden, die anderen helfen könnten.
Auch Harald Faber, Regionalleiter der Caritas und sein Vize Matthias Quick verweisen auf diese Konzept, und dass die Politik darauf noch nicht reagiert habe. „Es gibt keinerlei kommunale Zuschüsse für das Projekt", sagt Harald Faber. Werder vom Land noch vom Kreis. Die politischen Entscheidungsträger müssten den Wandel zur Freiwilligenarbeit erst nachvollziehen. „Ab April 2012 haben wir keine Finanzierung für den C-Punkt mehr", meint Matthias Quick, „wenn uns nichts einfällt, müssen wir hier den Schlüssel herumdrehen."
Die Genossen sind beeindruckt vom Engagement vor Ort. „Wir waren auch bei unserer Sommertour schon bei PATE und der Lebenshilfe", meint die Aalener SPD-Vorsitzende Heidi Schroedter. Man sei beeindruckt und nehme viele Anregungen mit für die Sozialpolitik der SPD. Der Böbinger Kreisrat August Freudenreich fragt nach der Länge der Förderung und wie viele Mütter etwa für die Arbeit mit Migranten gewonnen wurden.
Die SPD will zuhören und sich informieren, das wird deutlich. Kreisrat Bernhard Richter macht allerdings auch das Dilemma deutlich: „Wir Sozialpolitiker müssen in den Fraktionen auch die anderen Kreisräte überzeugen." Man dürfe den Sozialetat des Kreises auch nicht an die Wand fahren mit zu vielen Forderungen. Insgesamt sei man im Ostalbkreis durchaus gut aufgestellt.
Nicht gut genug, findet indes Sonja Elser. Man müsse sich auf die neue Freiwilligenkultur einlassen: „Wir denken bei ehrenamtlichem Engagement immer noch an 25 Jahre im Verein." Der Abschlussbericht der SPD-Sommertour soll jedenfalls in eine Reihe von Anträgen der SPD-Kreistagsfraktion münden, um das soziale Profil zu stärken und die Verbindungen zu sozialen Organisationen wieder aufzufrischen.
„Es ist wichtig, solche Gespräche zu führen", darin sind sich die SPD und die Caritas-Mitarbeiter am Ende einig. Die Genossen wollen noch weitere Erfahrungen sammeln, so geht es in Aalen noch zur AJO und – mit ganz anderem Ansatz – zum Tierheim Dreherhof. Lernen kann man auch hier etwas.

© Schwäbische Post 09.08.2011

 

 

 





 

 

 
 
 

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