 |
Plädoyer für „Ganztagseinrichtungen,
die bezahlbar sind"
Fast 20 soziale Einrichtungen besuchen die SPD-Kreistagsfraktion
und der SPD-Kreisverband Ostalb bei ihrer diesjährigen
Sommertour. Erstmals Station machte die Delegation dabei auch
bei der Aktion Jugendberufshilfe im Ostalbkreis (kurz AJO) in
Aalen. Deren Geschäftsführerin Petra Walter verkündete nicht nur
erschreckende Zahlen, sie stellte auch klare Forderungen an die
Politik.
Verlässlichkeit und Kontinuität stehen demnach ganz oben auf der
Wunschliste der AJO-Geschäftsführerin. „Um denen zu helfen, die
Hilfe brauchen", sagte sie. 1987 sei die AJO gegründet worden,
erklärte Walter. „Vor der ersten großen Jugendarbeitslosigkeit."
26 hauptamtliche Mitarbeiter zählt der Verein heute. Neben dem
Hauptsitz in Aalen gibt es Geschäftsstellen in Ellwangen und
Schwäbisch Gmünd. Die Integration von Jugendlichen unter 25 und
Frauen ab 50 ins Berufsleben, Hilfen für Menschen mit
Migrationshintergrund, die Vermittlung von Berufspraxis und
Bildungsmaßnahmen sind die erklärten Ziele der AJO. Auch einen
Second-Hand-Shop und zwei Schulkantinen betreibt der Verein. Aus
einem mit Bundesmitteln geförderten hauswirtschaftlichen Projekt
heraus gründete die AJO zudem die Mahlzeit Ostalb GmbH, mit der
sie ihre Schulkantinen und die städtischen Aalener
Kindertagesstätten mit Essen versorgt. Gekocht werde künftig in
der Küche der Unterkochener Festhalle, informierte Walter.
SPD-Kreischef und -Kreistagsfraktionsvorsitzender Josef Mischko
betonte, das Hauptziel der diesjährigen Sommertour der SPD sei
Nachhaltigkeit. „Die SPD setzt Sozialpolitik im Kreis ganz oben
auf die Agenda", sagte er. „Ein dauerhafter Dialog ist uns
wichtig", sagte Sonja Elser, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft
sozialdemokratischer Frauen (AsF) im Landkreis. Unter ihrer
Regie will die SPD sich dem Thema Sozialraumplanung noch
intensiver widmen. Geplant sei unter anderem eine soziale
Landkarte für den Ostalbkreis, erklärte Mischko. Petra Walter
stellte den Besuchern die einzelnen Projekte und Maßnahmen der
AJO, wie beispielsweise die Berufseinstiegsbegleitung an der
Aalener Bohlschule oder das Bundesprogramm „Max! – Migrantinnen
und Migranten in Ausbildung bei
Xenos", vor. Mitunter
erschreckende Zahlen verkündete Walter in Zusammenhang mit dem
AJO-Frauen-Integrationsprojekt. Viele der Frauen seien
alleinerziehend, sagte sie. 80 Prozent der betreuten Frauen im
Kreis seien zudem „schuldenbehaftet". In Aalen und Schwäbisch
Gmünd weise die Hälfte einen Migrationshintergrund auf. Oft
seien die Frauen mit häuslicher Gewalt konfrontiert. 80 Prozent
Frauen mit einem Gewalthintergrund seien es in Aalen, 50 in
Ellwangen und zehn Prozent in Gmünd. „Die Gewalt ist vor allem
auch ein Problem für die Kinder in solchen Familien", sagte
Walter. Nicht zuletzt deshalb wünschten sie und ihr Team sich
auch „Ganztagseinrichtungen, die bezahlbar sind, damit die
Kinder rauskommen und die Frauen einfacher im Arbeitsmarkt
vermittelt werden können". Auf Kritik stieß auch der öffentliche
Personennahverkehr im Kreis. Dieser müsse außerhalb der
Ballungsräume dringend ausgebaut werden, forderte Walter. Wer
arbeiten wolle, aber kein Auto habe und außerhalb der Städte und
großen Gemeinden im Kreis wohne, habe ein Problem. „Frauen, die
arbeiten wollen, kommen oft nur schwer überhaupt zur
Arbeitsstelle oder Kinderbetreuung", sagte Walter. Trotzdem
gelinge es der AJO in Aalen und Ellwangen für 75 Prozent aller
Frauen eine individuelle und tragfähige Lösung zu finden. In
Schwäbisch Gmünd sei dies immerhin noch bei 50 Prozent der Fall.
Walter führt dies vor allem auf zwei Punkte zurück: Der Verein
verfüge mit 24 Jahren Tätigkeit über ein sehr gutes Netzwerk und
„wir begegnen den Menschen auf Augenhöhe." Kreisrat August
Freudenreich zeigte sich beeindruckt: „Die Erfolgszahlen, die
Sie vorlegen, sind beachtlich." Für die AJO selbst wünschte sich
Walter von der Politik eine verlässliche Unterstützung als
Garant für kontinuierliche und dauerhafte Arbeit. Illusionen
habe sie dabei aber keine – schließlich sei dafür in vielen
Fällen die Bundespolitik zuständig. Und von der derzeitigen
Bundesregierung sei sie enttäuscht. „Wir müssen uns abstrampeln,
damit wir soziale Arbeit für Bedürftige überhaupt noch machen
dürfen", sagte Walter. Josef Mischko bestätigte: „Früher konnte
man vor Ort passgenau arbeiten. Heute will die Bundesregierung
von Berlin aus vorgeben, was wo passiert." Es gehe daher nun
darum, die sozialen Einrichtungen im Kreis nachhaltig und
verlässlich zu stärken, sagte Mischko. „Investitionen in
Bildung, Förderung und Integration kommen immer dreifach
zurück."


Heiko Buczinski 31.08.2011
|