Aalen. Der Ostalbkreis ist nicht die soziale Oase der
Glückseligkeit. Das ist das Fazit der SPD-Sommertour. Die
Sozialdemokraten hatten etliche soziale Dienstleister besucht,
die durch personelle und finanzielle Engpässe gefährdet sind.
Sonja Elser, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft
sozialdemokratischer Frauen, hat ein Arbeitspapier erstellt, das
beim Kreisparteitag am Samstag in der Cafeteria des Aalener
Berufsschulzentrums als Diskussionsgrundlage diente. Zentrale
Forderung: Ein gremienübergreifender Arbeitskreis „Sozialraum
Ostalbkreis" soll sich der Sorgen und Nöte der unterschiedlichen
Sozialverbände, Vereine und Einrichtungen annehmen. Sonja Elser:
„Die SPD will den Menschen eine Stimme geben, die sonst keine
Stimme haben."
Im Papier stehen mehrere konkrete Forderungen. Für den Wegfall
des Zivildienstes müsse es rasch Ersatz geben. Der
Bundesfreiwilligendienst der schwarz-gelben Bundesregierung
treibe soziale Einrichtungen in personelle Engpässe, heißt es.
Im Ostalbkreis gebe es fast keine Bewerber. Folge: Wer soziale
Dienste in Anspruch nehme, müsse Einschränkungen bei der
Qualität in Kauf nehmen.
Ferner übte Sonja Elser massive Kritik an der Instrumentenreform
des Bundes. Beispielsweise stünden die schwangeren Mädchen, die
aktuell in der Ausbildungsfirma der Aktion Jugendberufshilfe im
Ostalbkreis einen Platz gefunden haben, ab Mitte 2012 vor dem
Nichts. Ebenso die Ein-Euro-Jobber im Aalener Kaufhaus der
Caritas oder in anderen Beschäftigungsprojekten. Der Vorwurf:
Wenn der Bund die Zuschüsse für den sozialen, zweiten oder
dritten Arbeitsmarkt kürzt, werden viele Menschen um eine die
Chance auf Teilhabe gebracht.
Zu Beginn des Kreisparteitages hatte Claudia Sünder die
Marschrichtung ausgegeben: Die SPD müsse wieder für mehr soziale
Gerechtigkeit eintreten. Die stellvertretende Kreisvorsitzende
ehrte Adolf Berroth, „der seit 40 Jahren das Gesicht der SPD in
Adelmannsfelden prägt".
Rainer Hinderer, der sozialpolitische Sprecher der
SPD-Landtagsfraktion – und als solcher der Nachfolger der
früheren Aalener Abgeordneten Ulla Haußmann –, stieß ins selbe
Horn: „Wir müssen das Thema soziale Gerechtigkeit ganz klar für
uns besetzen." Den grünen Koalitionspartner hält er in dieser
Frage für noch nicht so weit.
Hinderer berichtete vom Spannungsfeld zwischen den Erwartungen
an die neue Landesregierung und der realpolitischen
Ernüchterung. Die finanziellen Spielräume seien gering, sagte er
vor knapp 40 Zuhörern. Dennoch versprach er, dass das Land sich
wieder bei der Finanzierung der Schulsozialarbeit beteiligen
werde – und zwar mit 15 Millionen Euro aus der Erhöhung der
Grunderwerbssteuer. Weitere 50 Millionen habe die neue
Landesregierung bereitgestellt, um den Investitionsstau an den
Kliniken abzubauen. Defizitäre Krankenhäuser werde man auf Dauer
aber nicht dulden, warnte Hinderer.
2012 soll ihm zufolge zum Jahr der guten Arbeit für alle werden.
Auch er geißelte die Instrumentenreform des Bundes, die den
Arbeitsmarkt spalte. Außerdem forderte er als Spiegel zu den
vielen Armutsberichten auch einen Reichtumsbericht für
Baden-Württemberg.
Maier kritisiert schwarz-gelbe „schulpolitische Luftballons"
Klaus Maier, SPD-Abgeordneter des Wahlkreises Schwäbisch Gmünd,
berichtete über die finanzielle Lage des Landes. Nach dem
Kassensturz hätten sich lauter Finanzierungslücken aufgetan, die
Grün-Rot nun stopfen müsse. Die „schulpolitischen Luftballons"
und mehr – nichts sei durchfinanziert, sagte er und kritisierte
den Ex-Ministerpräsidenten Mappus und seinen damaligen
Finanzminister Stächele für den 4,7 Milliarden Euro teuren
Rückkauf der EnBW-Aktien. Der Atom-Konzern sei heute eine
Milliarde weniger Wert, was das Land jährlich 100 Millionen Euro
Zinsen koste.
Stolz ist Maier, dass Grün-Rot die „Bremsen" bei der Windkraft
aufmacht und dass die SPD beim Thema Stuttgart 21 die
Volksabstimmung durchgesetzt hat. „Wir werden künftig mehr die
Menschen fragen", kündigte er eine neue Politik des Zuhörens an.
Außerdem für 2012 ein neues Schulgesetz, „das die Handschrift
der Sozialdemokratie zeigt".
© Schwäbische
Post 08.10.2011